22. April 2010

Theaterdebatte nicht wieder aussitzen

"Wir brauchen dringend eine Diskussion zu Strukturen und Geldern, mit denen die Theater und Orchester in Thüringen ab 2013 planungssicher rechnen können", betont die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Dr. Birgit Klaubert, und fordert von der Landesregierung Aussagen, wie der Haltung aus dem Koalitionsvertrag, wonach es keine neue Standortdiskussion geben soll, entsprochen werden kann.

Dies könne die Landesregierung "nicht einfach aussitzen, geht es doch um einen wichtigen Teil der Thüringer Kultur- und Bildungslandschaft, die weder von Landes- noch von kommunaler Seite zur Disposition gestellt werden darf", so Birgit Klaubert weiter, die auf die gegenwärtige Bestandsanalyse ihrer Fraktion zur Situation der Thüringer Theater und Orchester und ihren gestrigen Besuch zusammen mit Birgit Keller, der haushaltspolitischen Sprecherin der Linksfraktion, bei der Intendanz der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH verweist. Hier habe 1992 die erste erfolgreiche und sinnvolle Fusion zweier Ensembles in Thüringen stattgefunden, auch wenn das Haus seit 2004 auf ein eigenes Schauspielensemble verzichten müsse und mit dem Theater Rudolstadt kooperiere.

Die unwiederbringliche Theater- und Orchesterkultur, die schon arg geschrumpft wurde, habe ihre finanzielle Leistungsgrenze längst erreicht. Mit Haustarifverträgen retteten viele Ensembles zum Teil seit Jahren ihre Standorte, arbeiteten bis zur Selbstausbeutung und erhielten seit Jahren keinen Cent mehr. Die beiden Abgeordneten der Linksfraktion schlagen eine öffentliche Debatte vor, "in der die Theater und Orchester und ihre kommunalen Träger mit- und nicht gegeneinander ihre Profile abstecken und ihre finanziellen Bedürfnisse gegenüber der Landesregierung einfordern. So können ein für alle Bürger gerechtes Kulturangebot erhalten bleiben und eine egoistische Konkurrenz ausgeschlossen werden".

Nach dem Auslaufen der jeweiligen Haustarifverträge müssten eine Kompensierung der aufgelaufenen Kosten und die Anpassung der Ausgaben an die Tariferhöhungen stattfinden. Die Finanzierungsverträge sollten zudem wieder auf fünf Jahre geschlossen werden. In Nordhausen diskutiert wurde auch das Modell der LINKEN, wonach die Finanzierungsbasis erweitert wird, indem die Landkreise und Gemeinden, die selbst keine Träger von Theatern und Orchestern sind, an einer solidarischen Finanzierung beteiligt werden. Klaubert und Keller sind sich sicher: "Wir brauchen diese Diskussion jetzt, denn ob alle Trägerkommunen nach den Steuereinbrüchen infolge der Finanzkrise überhaupt noch ihre Zuschüsse in derzeitiger Höhe leisten können, ist eher anzuzweifeln. Jedes Ensemble, das durch das jetzige Zögern verloren geht, ist für immer für die Thüringer verloren!"