12. April 2010

Sensibilisierung gegen Rechts im Sport hat notwendiges Maß nicht erreicht

"In Thüringen gibt es eine Überschneidung zwischen rechtsextremistischen Gruppierungen und einem Teil der vor allem beim Fußball aktiven Hooliganszene", darauf verweist die innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Martina Renner.

In Beantwortung einer Kleinen Anfrage der Abgeordneten stellt die Landesregierung fest, dass bei der als rechtsextremistisch zu bezeichnenden Gruppierung NDH-City in Nordhausen eine Überschneidung zu Hooligangruppierungen u. a. in Erfurt besteht. Mitglieder von NDH-City haben enge Verbindungen zur NPD und zu so genannten Freien Kräften und waren mehrfach auch im Zusammenhang mit rechtsextremistischen Veranstaltungen sowie mit Straftaten bei Sportveranstaltungen aufgefallen.
"Es ist besorgniserregend, dass eine solche Gruppierung über einen Kern von 30 Personen und ein Umfeld von 20 Personen verfügt und gegen die Mitglieder insgesamt 90 Ermittlungsverfahren eingeleitet werden mussten", verdeutlicht Martina Renner.
Ein Teil der NDH-City zuzuordnenden Personen habe Stadionverbot bei Wacker Nordhausen, das allerdings für die Thüringenliga, anders als beispielsweise bei den Bundes- und Regionalligen, in anderen Stadien in Thüringen keine Auswirkungen hat.
"Das Engagement des Landessportbundes gegen Rechtsextremismus muss durch eigene Initiativen der lokalen Sportvereine ergänzt werden. Dazu gehören auch gegenseitige Information und schnellstmögliche Einführung einer einheitlichen Stadionverbotsrichtlinie in Thüringen. Viele Beispiele in Thüringen zeigen, dass das notwendige Maß an Sensibilisierung im Bereich des Sports noch lange nicht erreicht ist", sagt Frau Renner mit Blick auf die Ehrung eines Neonazis als Kampfsportler in Gera durch die Stadt und den Stadtsportbund. Am 20. Februar hatte ein bekannter Neonazi die Sportehrennadel der Stadt Gera in Bronze für seine Verdienste im Kampfsport verliehen bekommen.
Die Innenexpertin der LINKEN verweist auch darauf, dass in den bekannt gewordenen Fällen "die Frühwarnsysteme staatlicher Strukturen offensichtlich versagt haben und vorhandene Verbindungen zwischen Rechtsextremen und Bereichen des Sport und auch der Fan-Szene vor allem dank antifaschistischer Recherchearbeit öffentlich geworden sind".
Neben den Vereinen hätten auch Sportler und Fans hohe Verantwortung: "Der Verbreitung menschenfeindlicher Ideologien in Stadien und bei Sportveranstaltungen muss die Grundlage genommen werden. Wir brauchen eine Stimmung in den Stadien, die Rechtsextremen deren ohnehin nur geringe Lust am Sport vollends nimmt", so Renner abschließend.