7. April 2010

Dr. Thomas Hartung: Nicht sehr praxisnahe Vorschläge des Bundesgesundheitsministers

"Mit seinem Vorschlag einer sogenannten Landarztquote bei der Studienplatzvergabe hat der Bundesgesundheitsminister wieder einmal bewiesen, dass er das System, einschließlich der grundlegenden Probleme, nicht erfasst hat", sagt Dr. Thomas Hartung, gesundheitspolitischer Sprecher der LINKEN im Thüringer Landtag.

Bei einer Quote von fast 40 Prozent Medizinstudenten, die später nicht im Gesundheitswesen bzw. nicht in Deutschland arbeiteten, sei "nicht die Zahl der Studienanfänger das entscheidende Problem, sondern die Attraktivität des Arztberufes", so der Abgeordnete weiter. Jetzt einen Zusammenhang herzustellen zwischen einer Verpflichtung, Hausarzt zu werden und den daraufhin bevorzugten Zugang zum Studium, könne die Probleme ebenfalls nicht lösen.

Rösler müsste vielmehr klar sein, dass die spätere Wahl der Fachrichtung "entscheidend vom Studienverlauf und der praktischen Tätigkeit während des Studiums geprägt ist. Von einem Abiturienten zu verlangen, vor Beginn des Studiums zu wissen, welche Fachrichtung er später einmal erreichen will, wird diesen schlicht überfordern", betont Hartung. Es sei darüber hinaus nicht sehr praxisnah, zu glauben, dass eine Verpflichtung zu Beginn des Studiums tatsächlich zu einem engagierten Hausarzt führe.

Der Gesundheitspolitiker der Linksfraktion hält ein Mehr an Studienplätzen in diesem Zusammenhang für den falschen Weg - "er ist teuer, er ist aufwändig und er wird nicht die entscheidenden Probleme, die die meisten Studienabgänger erst nach ihrem Studium betreffen, lösen". Positiv zu sehen sei allerdings die Bereitschaft, medizinischem Fachpersonal neben dem Abitur auch die Möglichkeit zu einem Medizinstudium zu geben. Insgesamt jedoch müsse man "feststellen, dass Herr Rösler zwar prinzipiell erkennt, wo Probleme bestehen, diese aber an der Wurzel anzupacken und zu lösen, fehlen ihm aber ganz offensichtlich die Fachkenntnisse. So bleiben auch diese Überlegungen eine angefangene Baustelle, die auf dem skizzierten Weg sicher nicht zu einer erfolgreichen Problemlösung führen wird", so Dr. Hartung abschließend.