19. September 2011

Rentenberatungsstellen vor dem Aus

Den Auskunfts- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Mitteldeutschland droht der Rotstift. Den Kürzungen sollen bis zu 23 Standorte in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt zum Opfer fallen. „Davon wären Millionen Versicherte und Rentner betroffen“, sagt Margit Jung, seniorenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. „Die geplanten Schließungen hätten zur Folge, dass die Beratungsstellen für viele ältere Menschen nicht mehr erreichbar sind.“

In Thüringen sollen beispielsweise die Beratungsstellen Gotha, Ilmenau, Greiz, Mühlhausen, Jena und Neustadt/Orla geschlossen werden. Für eine Rentnerin aus Gotha würde das bedeuten, dass sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis zu einer Stunde bräuchte, um zu einer Beratungsstelle in Erfurt zu fahren. Und von dort muss sie natürlich auch wieder nach Hause kommen. „Das sind keine akzeptablen Distanzen“, kritisiert Margit Jung.

Die Begründung für die Schließungen sei fragwürdig, so Jung. Es handele sich nach Angaben einer Planungsgruppe bei der Deutschen Rentenversicherung z.B. um Städte, die „kein Wirtschaftsstandort“ seien oder für die ein „30-Kilometer-Radius nicht erforderlich“ wäre. „Das darf nicht der Maßstab für den Beratungsbedarf sein“, fordert die Rentenexpertin. „Gerade in den neuen Bundesländern sind die Beratungsstellen von enormer Bedeutung. Hier werden über 80 Prozent der Anträge entgegen genommen.“ Die hohe Anzahl an Beratungsleistungen sei u.a. darauf zurück zu führen, dass vielfältige DDR-Bestimmungen oder ungeklärte Versicherungskonten zu beachten seien.

„Alte Menschen auf e-mail-Kommunikation zu verweisen, halte ich für zynisch“, sagt Margit Jung. Es gebe zwar zunehmend mehr ältere Menschen, die souverän mit Computern umgingen, aber gerade in der jetzigen Rentnergeneration seien Internet und mail-Verkehr für viele nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln. „Dies zu ignorieren heißt, Menschen von Kommunikation und Beratungsleistungen auszuschließen.“

DIE LINKE werde sich für den Erhalt der Beratungsstellen einsetzen, damit Rentnerinnen und Rentner sowie Versicherte auch weiterhin die Möglichkeit hätten, sich persönlich beraten zu lassen. „Wir werden uns zusammen mit Abgeordneten aus Sachsen-Anhalt und Sachsen sowie den Gewerkschaften gegen diese Schließungen wehren, die zu einer eindeutigen Benachteiligung der Bürgerinnen und Bürger führen würden.“