23. September 2011

Wohnungspolitik von Land und Bund gehört auf den Prüfstand

„Der aktuelle Wohnungsbestand in Thüringen genügt nicht den Anforderungen und dem Bedarf an barrierefreiem Wohnraum. Für ausreichend bedarfsgerechten und bezahlbaren Wohnraum zu sorgen, wird weiterhin eine Zukunftsaufgabe für Thüringen sein. Es geht aber nicht nur um die Wohnung an sich, sondern um ein altersgerechtes Wohnumfeld, die Erreichbarkeit von Versorgungseinrichtungen, medizinische Leistungen und die soziale Einbindung“, sagt Heidrun Sedlacik, Sprecherin für Wohnungspolitik der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, nach der heutigen Konferenz in Gera mit dem Titel „Die Zukunft ist schon da - Wohnen 2020“. Die Tagung, die von der Linksfraktion und dem Kommunalpolitischen Forum veranstaltet wurde, befasste sich vor allem mit Anforderungen an die Wohnungspolitik durch eine immer älter werdende Gesellschaft.

Jeder fünfte Thüringer ist älter als 65 Jahre. 2020 wird es nahezu jeder Dritte sein. Daraus resultiert ein wachsender Bedarf an altersgerechten Wohnungen. Gegenwärtig sind lediglich ein Prozent der Wohnungen in Thüringen seniorengerecht bzw. barrierefrei. „Viele Wohnungsunternehmen sind zwar bemüht, Wohnungen barrierefrei zu gestalten, der Umbauprozess wird aber nur gelingen, wenn die Wohnungsgesellschaften und Wohnungsgenossenschaften als Hauptakteure für soziales Wohnen durch eine gezielte und verlässliche Wohnraumförderung auf hohem Niveau unterstützt werden“, fasst Frau Sedlacik die während der Tagung geäußerten Forderungen zusammen. Die Entwicklungen, insbesondere auf Bundesebene, gingen aber in eine andere Richtung: Der Haushaltsentwurf des Bundes 2012 sehe sogar eine weitere Absenkung der Städtebauförderung vor. Auch das Programm „Altengerecht Umbauen“ soll abgewickelt werden.

„Das ist eine Politik an der Wirklichkeit und dem Bedarf vorbei. Schließlich wünschen sich viele Ältere, selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben zu können. Eine Politik, die Wohnen als öffentliche Daseinsvorsorge privatisiert und der Gesellschaft die daraus resultierenden Lasten aufbürdet, lehnen wir grundsätzlich ab“, unterstreicht Frau Sedlacik. Die Konferenz habe die LINKE in der Forderung bestärkt, dass sich die Landesregierung für die Fortführung der Städtebauförderung sowie des KfW-Programms „Altersgerecht Umbauen“ auf hohem Niveau einsetzen muss und den Bund nicht aus der Verantwortung lassen darf. „Eine sozial gerechte Wohnungspolitik ist ein unerlässlicher Baustein im Umgang mit dem demografischen Wandel, der vom sozialen Wandel und vom Klimawandel nicht zu trennen ist. So stellt sich aufgrund der Altersarmut, insbesondere in Ostdeutschland, aber auch aufgrund der im Sinne des Klimaschutzes erforderlichen energetischen Gebäudesanierung in Zukunft nicht nur die Frage nach bedarfsgerechtem, sondern vor allem auch nach bezahlbarem Wohnraum, um Armutsviertel zu verhindern“, so Frau Sedlacik abschließend.