15. August 2012

Dr. Karin Kaschuba: Deutschland benötigt einen Neuanfang beim Studium

Sie empfinde es als „richtig und mutig, dass der neue Präsident der Hochschulrektorenkonferenz die Probleme bei den Bachelor- und Masterstudiengängen thematisiert hat. Aber es müssen auch Taten folgen“, betont Dr. Karin Kaschuba.

Vor allem fehle eine offene und ehrliche Diskussion. „Die deutschen Kultusminister fürchten den Verlust von Macht, wenn der Föderalismus ernsthaft auf den Plan gerufen wird. Hochschulrektoren bzw. -präsidenten schweigen aus Sorge um drohende Mittelkürzungen. Studenten verstummen aus Angst um ihren Studienabschluss“, so die die Sprecherin für Wissenschaftspolitik der Linksfraktion weiter. Es täte gut, nüchtern und sachlich zu analysieren. Die Originaldokumente des Bologna-Prozesses schrieben nur einen überall anerkannten Abschluss vor, der auch Diplom hätte heißen können. Nur Deutschland habe unter Rot-Grün Bachelor und Master daraus definiert.

Frau Dr. Kaschuba: „Der einseitige Bildungsbegriff, der Hochschulen vordergründig nur mit einem Tunnelblick auf die Bedürfnisse der Wirtschaft betrachtet und daraus betriebswirtschaftlich determinierte Schlussfolgerungen zieht, geht an den Anforderungen an eine Bildungseinrichtung der Wissensgesellschaft gehörig vorbei. Zum Teil wird sogar die Freiheit von Lehre und Forschung durch ökonomische Parameter und undemokratische Strukturen behindert. Der eigentlich positive Ur-Ansatz der Bologna-Reform, eine europaweite Vergleichbarkeit von Studium und Abschlüssen, ist ins Gegenteil verkehrt: Neben einer starken Verschulung sind eine Schmalspurbildung und die Nicht-Anerkennung von Studienleistungen sowie der Abschlüsse üblich. Die im Rahmen der Föderalismusreform geförderte Kleinstaaterei tut dazu noch das Ihrige.“

Deutschland benötige einen Neuanfang beim Studium. Zu den dringlichsten Forderungen zählt die Landtagsabgeordnete die Aufhebung des Föderalismusprinzips im Bildungsbereich, eine deutliche Ausweitung der Finanzierungsprioritäten für Bildung, die Weichenstellung auf einen kompletten deutschlandweit anerkannten allgemeingültigen Bachelorabschluss als Berufsqualifikation und einen Rechtsanspruch auf den weitergehenden Masterstudiengang. Notwendig sei zudem der Entzug der Fremdsteuerung der Hochschulen sowie die Stärkung der Mitbestimmung aller Hochschulgremien durch Gesetzesnovellierung.