12. März 2012

Trotz guter Ergebnisse kein Grund zum Jubeln

„Trotz guter Ergebnisse bei der Lesekompetenz Thüringer Schüler und einem überdurchschnittlichem Ganztagsangebot, entscheidet leider immer noch zu oft die Herkunft über den Schulabschluss. Allerdings ist das ein Ergebnis, das seit Jahren bekannt ist“, fasst Michaele Sojka, Bildungspolitikerin der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, die Ergebnisse des so genannten Chancenspiegels zusammen.

Auf den ersten Blick seien die Ergebnisse der Bertelsmann-Studie vielversprechend. „Wenn die Analyse allerdings attestiert, dass Thüringen vergleichsweise häufig Schülern einen Förderbedarf ausstellt, aber nur wenigen die Möglichkeit bietet, eine Regelschule zu besuchen, dann ist dies eine entscheidende Schwachstelle im Bildungssystem“, sagt Frau Sojka. Diese Exklusion von Schülern mit Förderbedarf stehe in entschiedenem Gegensatz zur Anerkennung der UN-Behindertenrechtskonvention und dem Bestreben, Benachteiligungen von Behinderten und Nicht-Behinderten im Schulwesen abzubauen.
Die LINKE-Bildungsexpertin macht darauf aufmerksam, dass die Zugangschancen für ein Gymnasium in Thüringen bei Kindern aus Akademikerfamilien mehr als vier Mal höher sind als bei Gleichaltrigen aus Arbeiterhaushalten. Damit liege Thüringen zwar im Mittelfeld der Länder, trotzdem dürfe dies „aber unter keinen Umständen ein Grund zum Ausruhen oder gar zum Jubeln sein“. Auch die Zahlen zum Schulformwechsel ließen wenig Grund zur Freude. In Thüringen stünden einem Aufwärtswechsel statistisch gesehen 4,6 Abwärtswechsel gegenüber.

„Besonders erschreckend ist, dass fast jeder zehnte Schulabgänger ohne einen Abschluss die Schule verlässt. Das sind Zahlen, die das Ministerium eigentlich in Alarmbereitschaft versetzen müssten“, so Frau Sojka.

Der bundesdeutsche Spitzenplatz in der Förderung leistungsschwacher Schüler sei dem Lehrerüberhang der letzten Jahre und kleinen Klassen geschuldet. „Diese Zeiten sind allerdings vorbei. Auf den Lorbeeren ruht sich Minister Matschie jetzt aus. Wenn aber künftig weiter ohne Strategie und vernünftiges Personalentwicklungskonzept gearbeitet wird, sind die guten Platzierungen Thüringens bald verspielt“, warnt die Abgeordnete der Linksfraktion.