24. November 2012

Nein zu Gewalt gegen Frauen mit und ohne Behinderung

"Für viele Frauen ist Gewalt immer noch traurige Alltagserfahrung", stellt Karola Stange, Gleichstellungspolitikerin der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, anlässlich des morgigen internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen fest. "Besonders brisant ist die oft nicht zur Kenntnis genommene Gewalt an Frauen mit Behinderungen." Viele der Mädchen und Frauen seien sowohl in ihren Familien als auch in Einrichtungen körperlicher, seelischer und sexueller Gewalt ausgeliefert.

"Die Zahlen sind erschreckend", stellt die Linkenpolitikerin fest. 74 bis 90 Prozent der Frauen hätten körperliche Gewalt durch ihre Eltern erfahren. 20 bis 34 Prozent erlebten sexuellen Missbrauch in Kindheit und Jugend durch Erwachsene. Das sei jede dritte bis fünfte Frau, die als Tochter misshandelt oder missbraucht worden sei. Diese traurige Statistik setze sich im Erwachsenenalter fort: 21 bis 43 Prozent der Frauen erlitten erzwungene sexuelle Handlungen. Hinzu käme, dass nahezu alle Frauen mit Behinderungen (81 bis 99 Prozent) direkten diskriminierenden Handlungen ausgesetzt seien.

Diese erschreckenden Erkenntnisse entstammen der Untersuchung "Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland" der Universität Bielefeld.  "Damit können wir uns nicht abfinden", sagt Karola Stange. Deshalb widme sich DIE LINKE anlässlich des diesjährigen internationalen Anti-Gewalt-Tages mit einer Konferenz am 26. November besonders den Frauen mit Behinderungen.

"Für uns ist wichtig, auf dieses Thema aufmerksam zu machen und den Betroffenen zur Seite zu stehen", stellt Karola Stange fest. "Gleichzeitig wollen wir aber auch Vorschläge unterbreiten, um Frauen mit Behinderungen wirksamer vor Gewalt zu schützen und ihnen bessere Unterstützung zukommen zu lassen, wenn sie Gewalt erfahren haben." Die Spannbreite reiche von Frauenbeauftragten in Werkstätten, dem Recht auf gleichgeschlechtliche Pflege und Assistenz, über Öffentlichkeitsarbeit, politische Maßnahmen und Veränderungen im Strafgesetz. "Es sind vielfältige Veränderungen nötig, um das Problem bewusst zu machen, die betroffenen Berufsgruppen zu sensibilisieren und bauliche sowie mentale Barrieren abzubauen", betont Frau Stange.

Die Konferenz "Nein zu Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen" findet am 26.11.2012 von 10.30 bis 15 Uhr im Hotel Radisson Blu in Erfurt statt. Veranstalterinnen sind die Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, die Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen und das Jenaer Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen e.V.