9. Juli 2013

Nothnagel: Prozess der Inklusion ist nicht überhastet

Mit Blick auf Äußerungen aus dem Thüringer Lehrerverband, dass viele Eltern behinderter Kinder von Gutachtern regelrecht zum gemeinsamen Unterricht gedrängt würden sowie auch hinsichtlich des morgen wieder im Landtag anstehenden Themas „Inklusion im Thüringer Bildungswesen“, wendet sich Maik Nothnagel gegen die Rede von einer „überhasteten Inklusion“.

Der inklusionspolitische Sprecher erinnert daran, wie Eltern jahrzehntelang „von denselben Gutachtern und Medizinern regelrecht gezwungen wurden, ihre behinderten Kinder in Sondereinrichtungen abzuschieben und dabei die betroffenen Kinder nicht einmal nach ihrer Meinung gefragt wurden“. „So konnte es nicht weitergehen“, betont Nothnagel und verweist auf die UN-Behindertenrechtskonvention, dessen Artikel 24 die Schaffung eines inklusiven Bildungssystems verlangt, bei dem Kinder mit Behinderungen nicht aus dem allgemeinen Schulsystem ausgegrenzt werden.

Seit der Novellierung des Thüringer Förderschulgesetzes im Jahr 2003 sei die Integrationsquote stetig angestiegen – von 9,7 Prozent im Schuljahr 2004/2005 auf 27,5 Prozent im Schuljahr 2011/2012. Dennoch bestehe erheblicher Nachholbedarf, „denn gemeinsames Lernen behinderter und nicht behinderter Kinder soll zur Regel werden“, unterstreicht Nothnagel mit Verweis z.B. auf Österreich, wo bereits 50 Prozent der Schüler mit besonderem Förderbedarf in allgemeinen Schulklassen integriert sind. Notwendig sei „ein Umdenken in der Gesellschaft allgemein, aber besonders bei den Akteuren des Übergangs zur inklusiven Bildung, den Lehrerinnen und Lehrern, den Erzieherinnen und Erziehern und den Verantwortlichen in der Ausbildung sowie den Betroffenen selbst, den behinderten Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern“.

„Förderzentren können und sollten im Prozess der inklusiven Bildung eine besondere Rolle spielen. Sie sollten im Sinne der ‚umgekehrten Inklusion’ weiterentwickelt werden“, sagt Maik Nothnagel. Dabei gehe es um die Öffnung der Förderzentren für nichtbehinderte Kinder. Nach Auffassung des LINKEN Inklusionspolitikers könnten durch eine „umgekehrte Inklusion“ diese Einrichtungen auch eine Schrittmacherrolle in den Regionen spielen sowie der gezielten Weiterbildung der Pädagogen für diese Aufgaben dienen.