13. September 2013

Biosphärenreservate als Regionalentwicklungsmodell gestalten!

Zur heutigen Anhörung des Umweltausschusses zur "Entwicklung des Biosphärenreservates Karstlandschaft Südharz in Thüringen" erklärt Tilo Kummer:

"Die meisten Stellungnahmen haben eine kritische oder sogar ablehnende Haltung gegenüber der Einrichtung eines Biosphärenreservats offenbart, insbesondere deshalb, weil massive Einschränkungen wirtschaftlicher Entwicklung befürchtet werden." Sogar Ängste vor einem künftigen Betretungsverbot in geschützten Waldgebieten seien zum Ausdruck gebracht worden. "Diese Bedenken sind aber vollkommen unbegründet. Offenbar werden die regionalen Akteure ungenügend oder sogar falsch über die eigentlichen Ziele und Vorteile eines Biosphärenreservats informiert. Und die Landesregierung trägt mit ihrer Stillhaltetaktik wahrscheinlich noch dazu bei." Auch die in der Anhörung geäußerten Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Umweltverwaltung sind nach Auffassung Kummers ein schlechtes Zeugnis für die bisherige Arbeit des zuständigen Ministeriums.

Der Umweltpolitiker der Linksfraktion betont, dass in einem Biosphärenreservat ein harmonisches Miteinander von wirtschaftlicher Nutzung und natürlichen Kreisläufen gegeben sein müsse. Wichtig sei zudem, dass sich die Menschen in einer Region dann besser mit einem Biosphärenreservat identifizieren können, wenn es als Dachmarke verstanden wird. Damit könne auch gezielte Wirtschaftsansiedlung unterstützt werden. Als positives Beispiel nennt Tilo Kummer die Dachmarke Rhön, wo regionale Wirtschaftsunternehmen, Landwirtschaft, Gastgewerbe oder Tourismus gleichermaßen profitieren. Dort funktioniere die länderübergreifende Zusammenarbeit der Akteure seit Jahren. "Warum sollte dies nicht auch zwischen Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen gelingen?", fragt Kummer.

In diesem Zusammenhang wirbt der LINKE-Politiker auch dafür, die Diskussionen in den Kommunen für ein länderübergreifendes Biosphärenreservat weiterzuführen und Chancen daraus abzuleiten, weil in einem Bundesland allein die Mindestgröße von 30 000 ha kaum erreichbar wäre.

"Die Gipskarstlandschaft im Südharz ist europaweit einzigartig und ein besonderer Anziehungspunkt für Naturliebhaber. Aber auch Gipsabbau muss im Rahmen der vorhandenen Genehmigungen und maßvoll möglich sein." Da der Bedarf künftig weiter steigen dürfte, wäre ein Biosphärenreservat gut geeignet, um Produkte zu entwickeln, mit denen der Gipsverbrauch gesenkt werden kann. Aussichtsreiche Branchen würden nach Ansicht des Umweltpolitikers auch die Holzverarbeitung oder die Ernährungswirtschaft darstellen. "In den letzten Jahren sind kleine Verarbeitungsbetriebe in Größenordnungen verloren gegangen. Diese Lücken wieder zu füllen, hätte positive Effekte für die Wertschöpfung und den Aufschwung der gesamten Region. Biosphärenreservate sind keine Naturschutzinseln, sondern können wirkliche Modellregionen nachhaltiger Entwicklung sein", zeigt Kummer sich optimistisch.