19. September 2013

Konstruierter Fachkräftemangel?

Zwei Studien, die in den letzten Tagen veröffentlicht wurden, lassen Fragen an den stets bemühten Fachkräftemangel entstehen. Eine Untersuchung der TU Ilmenau weist auf mangelndes Engagement Thüringer Unternehmen bei der Sicherung von Fachkräften hin, zugleich belegt eine Studie der Bundesagentur für Arbeit das hohe Qualifikationsniveau Thüringer Langzeitarbeitsloser. Dazu erklärt Ina Leukefeld, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag: "Statt ständiger Klagen über Abwanderung brauchen wir gute Löhne für alle Beschäftigten und Offenheit in den Unternehmen auch für Menschen mit gebrochener Erwerbsbiografie."

Gemäß der Zahlen der Bundesagentur haben mehr als drei Viertel der Langzeitarbeitslosen in Thüringen eine berufliche Qualifikation. Dies liegt deutlich über dem Bundesschnitt, wo nicht einmal jeder Zweite entsprechende Voraussetzungen mitbringt. Dennoch sind Langzeiterwerbslose in Thüringen deutlich abgehängt auf dem hiesigen Arbeitsmarkt: Seit Januar diesen Jahres ist ihre anteilige Quote an allen Erwerbslosen von circa 30 auf 35 Prozent gestiegen.

"Neue Initiativen seitens der Landesregierung, die das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit effektiv angehen und, sofern notwendig, auf zielgerichtete Nachqualifikation setzen, vermisse ich derzeit. So gibt es eine Vielzahl von Pilotprojekten, aber keine richtungsweisende Strategie. Vielmehr scheint es so, als ob sich die Landesregierung auf den formal guten Zahlen des Arbeitsmarktes ausruht. Dies widerspricht aber der Thüringer Landesverfassung, denn dort ist festgelegt, dass es Ziel einer guten Landespolitik ist, jedem die Möglichkeit zu schaffen, "seinen Lebensunterhalt durch frei gewählte und dauerhafte Arbeit in Thüringen zu verdienen. Zur Verwirklichung dieses Staatsziels ergreifen das Land und seine Gebietskörperschaften insbesondere Maßnahmen der Wirtschafts- und Arbeitsförderung, der beruflichen Weiterbildung und der Umschulung". Frau Leukefeld fordert: "Auch im 20. Jahr der Landesverfassung sind wir davon noch weit entfernt. Ich erwarte von der Landesregierung ein entschlossenes Vorgehen statt entspanntes Zurücklehnen!"