7. März 2014

Doppelte Benachteiligung für Frauen beenden

Zum morgigen Internationalen Frauentag erklärt die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, Ina Leukefeld: "Vor 20 Jahren hörte sich die Losung ,Wer sich nicht wehrt, kommt an den Herd' fast wie ein Schlachtruf an. Die Herren aus dem Westen machten sich lustig über die ungebrochene Erwerbsneigung der ostdeutschen Frauen. Heute haben wir in Thüringen zwar eine hohe Frauen-Erwerbsquote, aber unter den Vollzeitbeschäftigten sieht es mau aus."

Bei der Frauenbeschäftigung, also dem Prozentsatz aller sozialversicherten weiblichen Erwerbspersonen zwischen 15 und 65 Jahren, liegen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit die neuen Bundesländer deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 49,4 Prozent. Thüringen nimmt nach Sachsen (56,5 Prozent), den zweiten Platz mit 55,9 Prozent ein und liegt noch vor Brandenburg (55,7), Sachsen-Anhalt (54,9) und Mecklenburg-Vorpommern (54,1).

"Jubel kommt dennoch nicht auf, denn Frauenerwerbstätigkeit ist meist prekär und schlecht bezahlt", sagt Frau Leukefeld.

Wie in dieser Woche von der Regionaldirektion für Arbeit vermeldet, sind unter den rund 475.000 Vollzeitbeschäftigten im Freistaat etwa 165.000 Frauen. Sie sind vor allem in den unteren Einkommensgruppen vertreten. Dabei dominieren ungewollte Teilzeit und  Minijobs in geringfügiger Beschäftigung. Die Zahl derjenigen Menschen, die neben einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung noch einen Minijob ausüben müssen, hat sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt.

"Die Einkommenssituation von Frauen ist deutlich schlechter als die der Männer. Die Lohndifferenz beträgt noch immer im Durchschnitt mehr als 20 Prozent", kritisiert die LINKE-Abgeordnete. Das hängt auch damit zusammen, dass ein Großteil der Frauen in Branchen arbeitet, die relativ geringe Löhne zahlen. Dazu gehören Pflegeberufe, das Hotel- und Gaststättengewerbe und der Dienstleistungsbereich.

Frauen erhalten zudem seltener Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld oder eine Gewinnbeteiligung. Während Männern häufiger Weiterbildungen angeboten werden, machen Frauen Weiterbildungen verstärkt auf eigene Kosten.

Ina Leukefeld stellt fest, dass Frauen laut jüngster Studie über die Verteilung des Vermögens lediglich über 72 Prozent des Durchschnittsvermögens der Männer verfügen. In Ostdeutschland ist der Durchschnitt zudem mit 8000 Euro weitaus niedriger als im Westen mit 21000 Euro.

"Dieser Unterschied bleibt also auch nach über zwei Jahrzehnten »deutscher Einheit« immens. Auch daran wollen wir anlässlich des Internationalen Frauentages erinnern, denn eine doppelte Benachteiligung der ostdeutschen Frauen können und wollen wir nicht länger hinnehmen."