6. März 2014

Von Wintersport-Hochburg Thüringen ist bei Paralympics in Sotschi niemand am Start

Maik Nothnagel, Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag für Inklusion, kritisiert, dass kein Thüringer Sportler an den Paralympics in Sotschi teilnimmt. "Es hilft nicht, dass dieser Umstand bedauert wird. Verantwortliche müssen sich fragen lassen, was hinsichtlich der Förderung des Behindertensports in Thüringen getan wurde. Es muss auch geklärt werden, ob die so gepriesenen Wintersportbedingungen für Sportler mit Behinderung in Oberhof ausreichend sind?"

Die Vizepräsidentin des Thüringer Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes (TBRSV), Marion Peters, erklärte, dass man für die Förderung des Behindertensports einen langen Atem braucht. Wenn jetzt das Ziel darin besteht, in Thüringen einen paralympischen Stützpunkt im Wintersport zu errichten und Athleten zu fördern, die international an den Start gehen können, "dann ist das doch ein Eingeständnis dafür, dass bisher in dieser Frage nicht allzu viel erreicht wurde", gibt Nothnagel zu bedenken.

Im Auftrag des Thüringer Wirtschaftsministeriums hat der TBRSV nun ein Konzept erarbeitet, um den Standort Oberhof auch für den Behindertensport attraktiv zu machen. "Dabei ist sicherlich entscheidend, Talente zu finden, die Spaß am Sport haben. Aber genauso wichtig ist das Schaffen von Bedingungen, unter denen Talente reifen können", so der LINKE-Abgeordnete weiter.

Betrachtet man aber die Fakten, so bestehe gegenwärtig die Gefahr, dass es durch zu erwartende Kostenexplosionen zu Abstrichen bei der geplanten Barrierefreiheit des Multifunktionsgebäudes in Oberhof kommt. Das würde gleichzeitig die in diesen Fragen viel gelobte Änderung der Thüringer Bauordnung konterkarieren.

Maik Nothnagel betont, dass nicht nur bauliche Voraussetzungen und Talente Bedingungen für den Behindertenspitzensport seien. "Die Athleten brauchen auch Anerkennung für vollbrachte Leistungen, aber es gibt z. B. immer noch einen großen Unterschied bei den Medaillenprämien zwischen behinderten und nichtbehinderten Sportlern. Die gesellschaftliche Anerkennung für sportliche Leistungen scheint in Klassen eingeteilt zu sein. Behinderte Sportler stehen offenkundig am Ende der Skala."