18. März 2016

Gravierender Anstieg von Frauen in Teilzeitarbeit in Thüringen

Mit Blick auf den Equal Pay Day am morgigen 19. März unterstreicht Ina Leukefeld, arbeitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, dass dieser Tag symbolisch für den Entgeltunterschied zwischen Männern und Frauen steht. Umgerechnet seien dies 79 Tage, die Frauen länger arbeiten müssen als Männer, um letztlich auf den gleichen Lohn zu kommen.

„Man kann es auch anders ausdrücken: Dann steht der Equal Pay Day für den Tag im Jahr, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1.1. für ihre Arbeit bezahlt werden“, so die Abgeordnete weiter. Analysen zeigten, dass die bis etwa 2010 andauernde gravierende Ausbreitung der Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern sowie zwischen Ost und West scheinbar gestoppt werden konnte. Dennoch sei keine Entwarnung angesagt. Daher hatten auch bereits am Rande der gestrigen Landtagssitzung die Koalitionsfraktionen zusammen mit dem DGB und dem Landesfrauenrat mit einer öffentlichen Aktion gefordert, die durchschnittliche Entgeltlücke von fast 22 Prozent in Deutschland endlich zu schließen.

„Die Gründe für die Lohndifferenz sind vielfältig“, sagt Ina Leukefeld. „So ist der Anteil von Frauen im Teilzeitbereich in den letzten sechs Jahren in Thüringen um über 40 Prozent gestiegen und fünfmal höher als bei den Männern. Auch bei der Bezahlung für formal gleiche Qualifikation und Tätigkeit schneiden Frauen deutlich schlechter ab. Sie sind  überdurchschnittlich oft bei den ‚Niedriglöhnern‘ im Dienstleistungsbereich zu finden. Trotz Einführung des Mindestlohnes von 8,50 Euro partizipieren Teilzeitbeschäftigte nur wenig, weil das Einkommen insgesamt nicht existenzsichernd ist. Dabei werden 77 Prozent aller Minijobs von Frauen verrichtet“, macht die LINKE-Politikerin deutlich.

Vor dem Hintergrund des diesjährigen Mottos des Equal Pay Days „Berufe mit Zukunft“, sagt Frau Leukefeld abschließend: „Ganz sicher ist eine geschlechtsspezifische Unterteilung des Arbeitsmarktes nicht zukunftsfähig – Männer werden in Kitas genauso dringend gebraucht wie Frauen in MINT-Berufen (Berufe in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Deshalb ist zu fragen, wie es gelingen kann, Berufe für Frauen und Männer gleichermaßen attraktiv zu machen und den Anteil des jeweils fehlenden Geschlechts zu erhöhen. Nur so werden längerfristig die Lohndifferenzen abgebaut werden. Mehr tarifliche Bindung und gezielte Tariferhöhung, insbesondere im Pflegebereich und wie  auch im rot-rot-grünen Koalitionsvertrag festgeschrieben, sind dafür geeignete Maßnahmen.“