2. Februar 2017

Präsenzpflicht ersetzt nicht gute Lehre

Christian Schaft, hochschulpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, kritisiert den Beschluss des Senates der Universität Erfurt zur Wiedereinführung der Präsenzpflicht: „Mit dem Votum gestern Abend hat sich eine professorale Mehrheit mal wieder über die Interessen der betroffenen Studierenden hinweggesetzt. Dabei zeigen viele Beispiele: Gute Lehre und praxisorientierte Umsetzung von Inhalten füllen ganz von allein Seminarräume und Hörsäle. Vor diesem Hintergrund ist die Rückkehr zur Zwangsmaßnahme Präsenzpflicht in erster Linie ein Eingeständnis mangelnder Didaktik bei einigen der Lehrenden.“

Schaft verweist darauf, dass sich in einer Befragung unter den Studierenden der Universität Erfurt eine klare Mehrheit gegen die Präsenzpflicht ausgesprochen hat: „Dass sich mehr als 70 Prozent der Studierenden gegen die Präsenzpflicht ausgesprochen haben, hat nichts mit vermeintlicher Faulheit zu tun: Studierende wissen heute sehr genau, welche Vorlesung sie wirklich weiterbringt oder wo ihnen die Vorbereitung im Selbststudium viel bessere Ergebnisse ermöglicht. Zudem ist gerade auch für Studierende mit Kindern, für die vielen Studierenden mit Nebenjobs usw. die Latte einmal mehr höher gelegt worden, ihr Studium erfolgreich abzuschließen. Die Anwesenheitspflicht ist in meinen Augen ein Instrument, welches der Tendenz zu einem offeneren und vielfältigeren Studium einen Riegel vorschiebt.“

Nicht zuletzt fragt sich der Hochschulpolitiker, ob der getroffene Beschluss im Widerspruch zur Verfügung des Wissenschaftsministeriums aus dem Jahr 2015 stehen könnte. „Ich bin mir sicher, dass das Wissenschaftsministerium sich diesen Vorgang sehr genau anschauen wird. Nicht zuletzt erscheint es mir angesichts dieses Rückschritts unabdingbar, dass die Abschaffung der Präsenzpflicht im Rahmen der anstehenden Novelle des Thüringer Hochschulgesetzes neu geregelt werden muss. Wir brauchen eine rechtssichere Lösung im Sinne der Studier- und Lernfreiheit und um einen Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen in der Thüringer Hochschullandschaft zu vermeiden“, kündigt Christian Schaft abschließend an.