28. Juli 2011

Landesregierung kümmert sich unzureichend um Schulbesuch von Schülern nichtdeutscher Herkunft

Mit Verweis auf die Antworten der Landesregierung auf diverse Landtagsanfragen zu Schulbesuch und schulischer Versorgung von Schülern nichtdeutscher Herkunft  bemängelt die migrations- und integrationspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Berninger, ungenügende Bildungs- und Integrationsbemühungen.

Die Landesregierung bestätige damit selbst die Kritik des UN-Ausschusses für soziale, wirtschaftliche und kulturelle Rechte, dass Menschen mit Migrationshintergrund bei der Ausübung ihrer Rechte auf Bildung und Beschäftigung stark benachteiligt werden. Sowohl auf die Fragen einer SPD-Abgeordneten als auch Nachfragen der LINKE-Abgeordneten „muss konstatiert werden, dass kaum Bemühungen um die Bildung der Kinder ausländischer Herkunft erkennbar sind“, betont Berninger. Die Landesregierung könne weder über die Qualifikation der Lehrkräfte, noch über den Aufenthaltsstatus der Schüler konkrete Aussagen machen. Und dass die in so genannten Gemeinschaftsunterkünften untergebrachten Schüler in der Regel wohnortnahe und nicht eine bessere Betreuung garantierende schulische Einrichtungen besuchten, sei ein weiterer Kritikpunkt.

Das Dilemma beginne schon in der Landesaufnahmestelle (LAST) in Eisenberg: Die Information der Eltern über das Thüringer Schulsystem erfolge nur formell in schriftlicher Form (in Russisch, Persisch, Albanisch, Vietnamesisch, Arabisch, Türkisch, Englisch und Französisch – die Kinder kommen aber aus mehr als 100 Herkunftsländern). Für weitere Informationen seien sowohl Flüchtlinge als auch Mitarbeiter der LAST auf Übersetzer angewiesen, die aber nicht immer verfügbar seien und über Institutionen (Jugendmigrationsdienst, Zentrum für Integration und Migration oder Ausländerbehörden) oder private Kontakte vermittelt werden müssten  Zudem seien diese vorwiegend ehrenamtlich tätig.

Auch die Schulen würden „schlicht alleingelassen“, sagt die Flüchtlingspolitikerin und verweist darauf, dass die Förderung nicht vollständig alphabetisierter Schüler lediglich im Rahmen des Förderunterrichtes Deutsch als Zweitsprache und nur ‚sofern die schulischen Bedingungen es zulassen’ im Einzelunterricht erfolge. „Dass die Verordnung seit einem Jahr ausgesetzt ist und frühestens mit dem neuen Schuljahr eine ‚neue Fachliche Empfehlung zum Schulbesuch von Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache’ Rechtskraft erlangen wird, bestätigt ebenfalls, dass die Landesregierung, trotz anders lautender Aussagen zu angeblichen Integrationsbemühungen, ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat.“ Die Abgeordnete kündigt an, den im Februar von der Landesregierung berufenen Integrationsbeirat und die Thüringer Ausländerbeauftragte in dieser Sache um Hilfe zu bitten, „denn Kinder ausländischer Herkunft haben die gleichen Bildungschancen verdient wie ihre deutschen Schulfreundinnen und -freunde!“

Quelle: http://archiv.die-linke-thueringen.de/nc/aktuell/nachrichten/detail/artikel/landesregierung-kuemmert-sich-unzureichend-um-schulbesuch-von-schuelern-nichtdeutscher-herkunft/